Vom Jagdschloss zum Barockschloss
1558 ließ Kurfürst Joachim II. von Brandenburg die alte Burg durch ein Jagdschloss im Stil der Renaissance ersetzen. Als Baumeister wird Wilhelm Zacharias genannt. Der Bau soll die Staatskasse so belastet haben, dass ein Defizit entstand.
Das heutige Schloss ist jünger: Ab 1677 ließ der Kurprinz Friedrich, der spätere Kurfürst Friedrich III. und König Friedrich I. in Preußen, einen Barockbau im holländischen Stil errichten. Der Baumeister war der Niederländer Rutger van Langervelt, dessen Name in den Quellen auch als Langerfeld oder Langfeld erscheint.
Wann die Arbeiten endeten, geben die Quellen unterschiedlich an, genannt werden 1685 und 1690. Die Schlosskirche von Johann Arnold Nering, ein Haus der reformierten Gemeinde, wurde am 6. Januar 1685 eingeweiht.
Weit über Berlin hinaus bekannt wurde das Schloss Ende Oktober 1730. Im Wappensaal tagte das Kriegsgericht über Kronprinz Friedrich, den späteren Friedrich II., und seinen Freund, den Leutnant Hans Hermann von Katte. Beide hatten versucht, nach England zu fliehen.
Das Gericht erklärte sich im Fall des Kronprinzen für unzuständig und verurteilte Katte zu lebenslangem Festungsarrest. König Friedrich Wilhelm I. verwarf dieses Urteil und ordnete für Katte die Todesstrafe an.
Danach diente das Schloss wechselnden Zwecken: als Witwensitz, im 19. Jahrhundert als Depot für den Heeresfuhrpark und als Gefängnis für politische Gefangene, und von 1851 bis 1926 als Lehrerseminar. Im Zweiten Weltkrieg blieb es von Bombenschäden verschont. Seit 1963 zeigte hier das Ost-Berliner Kunstgewerbemuseum Teile seiner Sammlung.
Nach einer langen Restaurierung eröffnete im Mai 2004 die Ausstellung „RaumKunst aus Renaissance, Barock und Rokoko“, heute ein Haus der Staatlichen Museen zu Berlin.
19. Jahrhundert: Bahn, Fabriken und neue Vorstädte
Der Aufschwung zur Gewerbestadt begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Textilgewerbe, Seidenspinnerei und Wäschereien. Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt rasch. 1842 bekam sie einen Bahnhof an der Strecke Berlin–Frankfurt (Oder), 1882 fuhr die erste Pferdebahn, die 1903 auf elektrischen Betrieb umgestellt wurde.
Einwohner von Köpenick früher
Die Einwohnerzahl stieg von 3.387 im Jahr 1858 auf 30.879 im Jahr 1910. In diesen Jahrzehnten entstanden rund um die Altstadt drei Vorstädte: im Westen die Köllnische Vorstadt, im Osten die Kietzer Vorstadt und im Norden die Damm-Vorstadt, in der heute die Bahnhofstraße als wichtige Einkaufsmeile dient.
Besonders prägend war Spindlersfeld westlich der Altstadt. Der Unternehmer Wilhelm Spindler (1810 bis 1873) ließ dort ein großes Werk für Wäscherei, Färberei und chemische Reinigung errichten. Am 29. Dezember 1873 bestätigte die Provinzialregierung den Ortsnamen Spindlersfeld. Neben dem Werk baute das Unternehmen Wohnhäuser für Arbeiterfamilien.
Das Unternehmen finanzierte auch den eigenen Bahnanschluss. Die erhaltenen Industriebauten stehen unter Denkmalschutz.
Im Südosten entstand im Kietzer Feld die Villenkolonie Wendenschloß, nach Angaben des Bezirksamts 1892. Ihren Namen trägt sie nach dem Gasthaus Wendenschloß, das der Fährmann Wöse in den 1880er Jahren an der Fähre über den Langen See errichtet hatte. Der Magistrat beschloss 1905, den Ort so zu nennen.
Zuvor hieß er Eichhorn und war 1516 erstmals urkundlich erwähnt worden. Auch die Kirchen jener Zeit zeugen vom Wachstum: Die Stadtkirche St. Laurentius wurde 1838 bis 1841 erbaut, die katholische St.-Josefs-Kirche 1899 eingeweiht.
1906: Der Hauptmann von Köpenick
Zwischen 1901 und 1905 entstand das Rathaus im Stil der märkischen Backsteingotik, nach Entwürfen von Hans Schütte und Hugo Kinzer. Sein Eckturm ist 54 Meter hoch, die Einweihung fiel in den Oktober 1905. Die Gesamtkosten lagen bei rund 633.000 Mark, während für den Rohbau 375.000 Mark veranschlagt gewesen waren.
Dieses Gebäude machte kurz nach seiner Fertigstellung ein Mann überregional bekannt. Am 16. Oktober 1906 trat der Schuhmacher Wilhelm Voigt, geboren 1849 in Tilsit, in der Uniform eines Hauptmanns des 1. Garde-Regiments zu Fuß auf. Er hatte die Uniform aus gekauften Einzelteilen zusammengestellt.
Voigt war mehrfach vorbestraft und hatte nach einem gescheiterten Raub 1890 fünfzehn Jahre Zuchthaus bekommen. Aus der Haft war er 1906 entlassen worden, mit Aufenthaltsverboten für Berlin und Umgebung. Er übernahm eine Gruppe Gardesoldaten, fuhr mit ihnen nach Köpenick und besetzte das Rathaus.
Dort ließ er Bürgermeister Georg Langerhans und den Oberstadtsekretär Rosenkranz festsetzen und die Stadtkasse beschlagnahmen, angeblich „auf allerhöchsten Befehl“. Es waren 3.557,45 Mark. Die Quittung unterschrieb er mit dem Namen seines früheren Gefängnisdirektors.
Zehn Tage später wurde Voigt festgenommen. Ein früherer Zellengenosse hatte ihn verraten, nachdem eine Belohnung von 3.000 Mark ausgesetzt worden war. Das Landgericht II in Berlin verurteilte ihn am 1. Dezember 1906 zu vier Jahren Gefängnis. Kaiser Wilhelm II. begnadigte ihn, und am 16.
August 1908 kam Voigt aus der Haftanstalt Tegel frei. Die Tat ging als „Köpenickiade“ in die deutsche Sprache ein. Viele Zeitgenossen lasen sie als Spott auf den Respekt vor Uniformen im Kaiserreich. Carl Zuckmayer machte daraus ein Theaterstück, das am 5.
März 1931 am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt wurde, und 1956 drehte Helmut Käutner mit Heinz Rühmann in der Titelrolle einen Film dazu.
1920 bis 1945: Groß-Berlin und die NS-Zeit
Am 1. Oktober 1920 wurde Köpenick durch das Groß-Berlin-Gesetz Teil Berlins und bildete dessen 16. Verwaltungsbezirk. 1914 hatte das Krankenhaus eröffnet, 1928 nahm die S-Bahn den Verkehr auf. Seit dem 1. Januar 1931 schreibt sich der Ort amtlich mit K, vorher hieß er Cöpenick. 1939 zählte er 54.744 Einwohner.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten folgte ein Kapitel schwerer Gewalt. Vom 21. bis 26. Juni 1933 verhaftete die SA in der „Köpenicker Blutwoche“ bis zu 500 Gegner des Regimes, vor allem Mitglieder von KPD, SPD, Reichsbanner und Gewerkschaften. Anlass war der 22.
Juni: Anton Schmaus erschoss drei SA-Männer, die in die Wohnung seiner Familie eingedrungen waren. Die SA antwortete mit Folter und Tötungen, unter anderem im Amtsgerichtsgefängnis in der Puchanstraße. Zu den Opfern gehörte Johannes Stelling, der frühere SPD-Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin.
Die Zahl der Toten ist umstritten: In der DDR war von 91 die Rede, was sich nicht belegen ließ. Die neuere Forschung geht von mindestens 24 aus. Nach dem Krieg wurden Beteiligte vor Gericht gestellt, 1950 in Ost-Berlin 61 Angeklagte, von denen 15 zum Tode verurteilt und sechs am 20.
Februar 1951 in Frankfurt (Oder) hingerichtet wurden. Seit 1969 erinnert ein Mahnmal am Platz des 23. April, seit 1987 besteht eine Gedenkstätte.
In der Pogromnacht im November 1938 wurde die Synagoge zerstört und in Brand gesetzt, das Gebäude 1945 abgerissen. Etwa 250 bis 300 jüdische Einwohner wurden deportiert, fast alle ermordet. Die Zahl ist nur ungefähr bekannt. Seit 2005 erinnern Stolpersteine an Verfolgte. Am 23.
April 1945 rückte die Rote Armee ein, und der Krieg endete in Köpenick.
Teilung und DDR-Zeit
Köpenick war nun ein Stadtbezirk von Ost-Berlin. Der frühere Heuplatz erhielt 1953 den Namen Platz des 23. April, nach dem Tag der Befreiung. Wirtschaftlich blieb die Gegend ein Industriestandort. In Köpenick stand von 1952 bis 2002 eine Sendeanlage mit einem 248 Meter hohen Mast.
Am Stadtrand entstand das Salvador-Allende-Viertel, benannt nach dem 1973 gestorbenen chilenischen Präsidenten. Der erste Abschnitt entstand von 1971 bis 1973 in Plattenbauweise mit etwa 2.650 Wohnungen, der zweite von 1980 bis 1983 mit etwa 3.200 Wohnungen. Nach Angabe der Wikipedia ist es das größte Neubaugebiet aus DDR-Zeiten in Köpenick.
Ein beliebtes Ausflugsziel waren die Müggelberge. Dort hatte Carl Spindler um 1880 einen zehn Meter hohen Holzturm bauen lassen, der 1889/90 zu einem 27 Meter hohen Aussichtsturm im Stil einer chinesischen Pagode ausgebaut wurde und am 6. April 1890 eröffnete. Am 19.
Mai 1958 brannte er vollständig nieder, vermutlich bei Schweißarbeiten. Nach einem Architekturwettbewerb entstand 1959 bis 1961 der heutige Turm aus Stahlbeton, 29,61 Meter hoch, mit 126 Stufen bis zur Plattform. Er wurde am 31. Dezember 1961 eröffnet.
Seit 1990: Umbruch und Gegenwart
Nach der Wiedervereinigung wurden die großen Betriebe privatisiert, viele Arbeitsplätze fielen weg, und zahlreiche Menschen zogen fort. Zugleich entstand im Mai 1990 der Innovationspark Wuhlheide, nach Angaben der Wikipedia das erste Technologie- und Gründerzentrum in den neuen Bundesländern. Von 1991 bis 2001 war Köpenick ein eigener Bezirk. Zum 1.
Januar 2001 wurde er mit Treptow zusammengelegt, und Köpenick wurde ein Ortsteil des neuen Bezirks Treptow-Köpenick.
Mit knapp 35 Quadratkilometern ist Köpenick heute nach Angaben der Wikipedia der flächenmäßig größte Ortsteil Berlins. Die Altstadt soll als „Stadt am Wasser“ weiterentwickelt werden, mit dem historischen Stadtgrundriss als Maßstab. Gegenüber dem Rathaus wurde der Luisenhain mit Anlegestelle zur Promenade aufgewertet.
Auf dem brachliegenden Güterbahnhof, rund 34 Hektar groß, sind etwa 1.800 Wohnungen geplant. In Spindlersfeld ist die Umnutzung des früheren Werksgeländes als Wasserstadt vorgesehen. Und in der Damm-Vorstadt steht das Stadion An der Alten Försterei, die Heimat des 1. FC Union Berlin.