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Neukölln: Firmen, Ämter, Hilfe und Geschichte

Wie Neukölln entstanden ist und was seine Geschichte ausmacht.

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Geschichte von Neukölln

Kurz gesagt

Neukölln begann als Dorf Richardsdorf, das der Johanniterorden 1360 gründete, und hieß später Rixdorf. Aus einem Bauerndorf mit böhmischen Glaubensflüchtlingen wurde im 19. Jahrhundert eine Industriestadt. 1912 erhielt der Ort den Namen Neukölln, 1920 kam er zu Groß-Berlin.

Neukölln im Überblick

Bezirk
Neukölln
Erstmals genannt
26. Juni 1360 (Gründungsurkunde als Richardsdorp)
Stadtrecht
1. April 1899 (Stadt Rixdorf)
Name
Richardsdorf, später Rixdorf; seit Januar 1912 Neukölln, in Anlehnung an das mittelalterliche Cölln
Zu Berlin seit
1. Oktober 1920 (Groß-Berlin-Gesetz)
Fläche
rund 11,7 km²
Firmen (IHK-Zählung)
3.917

Name und Gründung: Richardsdorf 1360

Neukölln trägt diesen Namen erst seit dem Januar 1912. Der Ort ist aber viel älter und hieß fast sechs Jahrhunderte lang anders: zuerst Richardsdorf, später Ricksdorf und schließlich Rixdorf. Die Schreibweisen schwanken in den alten Urkunden stark, erst im 19. Jahrhundert setzte sich die Form Rixdorf durch.

Wer die Geschichte Neuköllns erzählen will, muss deshalb mit Rixdorf beginnen, einem Dorf südlich der Doppelstadt Berlin und Cölln, auf der Hochfläche des Teltow.

Die erste sichere Nachricht stammt vom 26. Juni 1360. Eine Gründungsurkunde des Johanniterordens, eines geistlichen Ritterordens, der sich um Krankenpflege und Besitzverwaltung kümmerte, machte damals den bestehenden Hof Richardsdorf zu einem Dorf.

Genannt werden 25 Hufen, das ist die damalige Einheit für eine bäuerliche Hofstelle samt Land, jede zu zehn Morgen. Das Bezirksamt Neukölln beschreibt die Gründung etwas anders und nennt 14 Familien und etwa 100 Menschen als erste Bewohner.

Beide Angaben lassen sich vereinbaren, denn die Hufenzahl beschreibt das ausgegebene Land, die zweite Angabe die Menschen darauf. Die Urkunde selbst ist seit 1945 verschollen.

Immer wieder liest man, die Templer hätten das Dorf gegründet. Das Lexikon der Templerforschung an der TU Dresden findet dafür aber keinen urkundlichen Beleg. Als Besitzer sind nur die Johanniter nachweisbar. Auch das Bezirkswappen erinnert daran, denn es zeigt das achtspitzige Johanniterkreuz.

Ob die Siedlung schon im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert im Zuge der deutschen Besiedlung des Teltow entstand, ist reine Vermutung. Gesichert ist das Jahr 1360, alles Frühere bleibt offen.

Vom Johanniterdorf zum Berliner Kämmereidorf

Im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375, einem Verzeichnis aller Dörfer und Städte der Mark Brandenburg, ist Richardstorpp mit 25 Hufen verzeichnet. Das Dorf hatte sich also nach der Gründung kaum vergrößert.

Es zahlte seine Abgaben noch an den Pfarrer im benachbarten Tempelhof, ein Hinweis darauf, dass es damals vermutlich keine eigene Kirche besaß.

Spätestens 1435 muss eine Dorfkirche bestanden haben, denn in diesem Jahr verkauften die Johanniter ihren Besitz an die Städte Berlin und Cölln, und nach dem heutigen Kenntnisstand muss das Dorf damals schon eine Kirche gehabt haben.

Damit begann eine lange Verbindung mit der Stadt. 1543 wurde Rixdorf Kämmereidorf von Cölln, das heißt, die städtische Kasse bezog die Einnahmen aus dem Dorf. 1709 wurde es alleiniger Besitz Berlins, kurz bevor sich Berlin und Cölln 1710 zu einer Stadt vereinigten.

Die Bauern hatten damit einen Stadtrat als Grundherrn und keinen fernen Adligen.

Die Jahrhunderte danach brachten harte Zeiten. Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 wurde das Dorf nach den Berichten fast zerstört, ein genaues Jahr nennen die Quellen nicht. Die Schmiede an der Dorfaue wird bereits 1624 erwähnt, und sie ist ein seltener Zeuge dieser Zeit.

Die Kirche brannte 1639 ab und wurde um 1640 auf dem alten Grundriss wieder aufgebaut. Das Dorf erholte sich langsam, und es blieb ein Bauern- und Handwerkerdorf an der Grenze zwischen der Hauptstadt und dem Land.