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Charlottenburg-Nord: Firmen, Ämter, Hilfe und Geschichte

Von der Jungfernheide der Spandauer Nonnen über das Strafgefängnis Plötzensee und den Volkspark bis zu den Siedlungen Hans Scharouns und einem Ortsteil, der erst seit 2004 einen eigenen Namen trägt.

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Geschichte von Charlottenburg-Nord

Kurz gesagt

Charlottenburg-Nord ist einer der jüngsten Ortsteile Berlins: Die Bezirksverordnetenversammlung schuf ihn am 30. September 2004. Das Gebiet im Winkel von Spree und Havel war jahrhundertelang Wald und Heide, dann Gefängnisgelände, Kleingärten und Volkspark. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen hier drei große Wohnsiedlungen, deren Straßen an die Opfer von Plötzensee erinnern.

Charlottenburg-Nord im Überblick

Bezirk
Charlottenburg-Wilmersdorf
Fläche
6,20 km²
Ortsteil seit
30. September 2004
Zu Berlin seit
1. Oktober 1920 (Bezirk Charlottenburg)
Bezirk
Charlottenburg-Wilmersdorf
Einwohner
19.651 (31. Dezember 2025)
Lage
zwischen Hohenzollernkanal, Westhafenkanal und Spree
Siedlungen
Ringsiedlung, Großsiedlung Charlottenburg-Nord, Paul-Hertz-Siedlung
Firmen (IHK-Zählung)
204

Name und Anfänge: die Heide der Nonnen

Wer heute durch die Paul-Hertz-Siedlung geht, ahnt kaum, dass hier über Jahrhunderte nur Wald stand. Das Gebiet gehörte zur Jungfernheide, einem ausgedehnten Forst im Winkel zwischen Spree und Havel. Den Namen gaben ihm die „Jungfern“, die Benediktinerinnen des Klosters in Spandau, denen das Land im Mittelalter gehörte.

An die Schwestern erinnert auch der Nonnendamm. Sie ließen den Weg von Spandau nach Berlin-Cölln befestigen, damit Wagen die sumpfige Niederung durchqueren konnten. Bis etwa 1800 blieb der Wald kurfürstliches und königliches Jagdrevier. In Ostdeutschland nannte man solche Jagdwälder Heide, daher der zweite Teil des Namens.

Die Heide war auch ein Ort der Strafe. Am 28. Mai 1813 vollstreckte Preußen hier letztmals Todesurteile durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen. Wenige Jahre später rückte das Militär ein: Ab 1824 entstanden Exerzier- und Schießplätze, und 1828 verlegte König Friedrich Wilhelm III. den Reinickendorfer Artillerie-Schießplatz hierher.

Verwaltet wurde das Land als Gutsbezirk, also als Fläche ohne eigene Gemeinde, die ein Gutsherr oder hier der Staat regierte. Der Gutsbezirk Jungfernheide entstand 1823 aus den Forstrevieren Charlottenburg und Tegel. Daneben gab es den Gutsbezirk Plötzensee im Kreis Niederbarnim, benannt nach zwei Seen voller Plötzen, einer Fischart.

Bis ins 20. Jahrhundert prägten Soldaten das Bild. Zwischen 1896 und 1901 entstanden Kasernen für das Luftschiffer-Bataillon, in den 1930er Jahren betrieb ein Verein hier einen Raketenflugplatz. Doch schon vorher hatte der Staat an der Ostspitze der Heide ein Bauwerk errichtet, das den Ort für immer prägen sollte.

1868: Das Strafgefängnis Plötzensee

Das Königlich Preußische Justizministerium suchte in den 1860er Jahren ein großes Gelände am Rand der Hauptstadt. Es fand 25,68 Hektar im Tegeler Forst, im Gutsbezirk Plötzensee. Von 1868 bis 1879 entstand dort ein Strafgefängnis für etwa 1.400 Gefangene, nach Entwürfen von Paul Spieker und Heinrich Hermann.

Die Anlage aus rohen roten Ziegeln kostete rund 6,3 Millionen Mark. Nach heutiger Kaufkraft entspricht das laut Wikipedia etwa 57 Millionen Euro. Torhaus, Zellentrakte, Wohnhäuser für Beamte, Küchenbauten sowie Kessel- und Maschinenhaus stehen heute als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Die Anstaltskirche liegt im oberen Geschoss des Hauptgebäudes.

Der Volksmund nannte die Anstalt bald nur noch „Plötze“. Der Name kommt vom Plötzensee, einem eiszeitlichen Rinnensee, der heute zu Wedding gehört. Die Plötze, auch Rotauge genannt, schwamm dort einst in großen Schwärmen. Einen kleineren zweiten Plötzensee verschlang zum Teil der Bau des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals, der Rest wurde zugeschüttet.

Rund um das Gefängnis blieb das Land lange leer. Spree, Kanäle und feuchter Baugrund schnitten das Gebiet wie eine Halbinsel von der Stadt ab. Kleingärtner nutzten die Flächen: 1904 gründete sich auf dem Dienstacker der Försterei die Kolonie Gartenfeld Jungfernheide, laut Wikipedia eine der ersten Arbeitergarten-Kolonien in Berlin.