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Karlshorst: Firmen, Ämter, Hilfe und Geschichte

Vom Vorwerk eines Gutsbesitzers über die Villenkolonie an der Rennbahn und den Ort der Kapitulation von 1945 bis zum wachsenden Wohnviertel im Südosten Berlins.

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Geschichte von Karlshorst

Kurz gesagt

Karlshorst entstand ab 1895 als Kolonie neben einer Rennbahn auf Land des Ritterguts Friedrichsfelde. Mit dem 1. Oktober 1920 kam es zu Groß-Berlin. In der Nacht zum 9. Mai 1945 unterzeichnete die Wehrmacht hier die bedingungslose Kapitulation, danach war der Ort jahrzehntelang sowjetisches Sperrgebiet.

Karlshorst im Überblick

Bezirk
Lichtenberg
Fläche
6,6 km²
Erstmals genannt
11. September 1825 (Vorwerk Carlshorst)
Gründung der Kolonie
25. Mai 1895
Zu Berlin seit
1. Oktober 1920
Bezirk
Lichtenberg
Einwohner
31.821 (31. Dezember 2025)
Lage
beiderseits der Bahnstrecke Berlin–Frankfurt (Oder), Hauptstraße Treskowallee
Firmen (IHK-Zählung)
301

Name und Anfänge: ein Vorwerk im Wald

Wer heute durch Karlshorst geht, ahnt kaum, dass hier schon in der Bronzezeit Menschen lebten. Beim Bau der Treskow-Höfe fanden Archäologen zwischen 2013 und 2015 rund 400 Reste einer solchen Siedlung. Der eigentliche Kern lag wohl an anderer Stelle, doch der Fund zeigt, wie alt die Spuren im Boden sind.

Der Ortsname ist dagegen jung. Er verbindet den Vornamen des Gutsbesitzers Carl von Treskow, dem das Rittergut Friedrichsfelde gehörte, mit dem Flurnamen „Horst“, einem Wort für ein kleines Waldstück. Aus Carls Horst wurde so Carlshorst, und der Gutsherr lebt bis heute im Namen der Treskowallee weiter.

Am 11. September 1825 taucht das Vorwerk Carlshorst erstmals in einer Urkunde auf. Ein Vorwerk ist ein ausgelagerter Wirtschaftshof eines Gutes, hier also ein Außenposten von Friedrichsfelde mit Feldern und Ställen. Mehr als ein halbes Jahrhundert blieb es dabei: ein paar Gebäude, Acker, Wald und viel Stille.

Dass aus diesem Außenposten ein Stadtteil wurde, verdankt er den Pferden. Schon 1862 ritt das Große Preußische Armee-Jagd-Rennen nach englischem Vorbild über die Fluren des Vorwerks. Was als militärische Übung begann, zog bald Zuschauer an, und der Weg zur Rennbahn war vorgezeichnet.

Rennbahn und Kolonie: die Gründung von 1895

1884 fand in Karlshorst das erste öffentliche Pferderennen statt, und der Verein für Hindernisrennen suchte wenig später einen neuen Platz. Gutsbesitzer Sigismund von Treskow verkaufte ihm 1893 rund 1,2 Quadratkilometer für 500.000 Mark. Der Verein gab daraufhin seine Bahn in Westend auf und zog an den östlichen Stadtrand.

Am 9. Mai 1894 eröffnete die Galopprennbahn für Hindernis- und Jagdrennen. Sie ist die Keimzelle der heutigen Trabrennbahn Karlshorst. Damit Besucher aus Berlin bequem anreisen konnten, ging 1895 ein Bahnhof an der Strecke nach Frankfurt (Oder) in Betrieb, zunächst noch mit dem Namen Carlshorst.

Rund um die Bahn sollten Menschen wohnen. Der 25. Mai 1895 gilt als Gründungstag der Kolonie Karlshorst, mit der die ersten Wohnhäuser im heutigen Prinzenviertel entstanden. Vier denkmalgeschützte Häuser in der Lehndorffstraße stammen aus dieser Zeit und sind nach Angaben der Wikipedia die ältesten Gebäude des Ortsteils.

Die Anfänge waren bescheiden. 1895 zählte man 214 Einwohner, davon 173 in der Kolonie, 25 auf dem Vorwerk und 16 in der Trainieranstalt für Rennpferde. Zehn Jahre später lebten bereits 6.210 Menschen hier. Aus dem Außenposten eines Gutes war in kurzer Zeit ein Vorort geworden.

Die Rennbahn gab dem jungen Ort seinen Rhythmus. An Renntagen rollten Sonderzüge aus der Stadt heran, Zuschauer strömten vom Bahnhof zu den Tribünen, und Gastwirte, Händler und Handwerker fanden ihr Auskommen. Wer hier ein Grundstück kaufte, wohnte im Grünen und war doch in einer halben Stunde in Berlin.